Komplett neuer Dachaufbau an Kleinem Kreuzgang und Mittelalterhalle des Germanischen Nationalmuseums

Das Germanische Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg ist das größte kulturhistorische Museum des deutschen Sprachraums mit rund 1,2 Millionen Objekten. Die hier vorhandene wissenschaftliche Kompetenz setzt international Standards bei der Erforschung, Präsentation und Vermittlung von Kunst, Kultur und Geschichte. Das hohe Ansehen unseres Unternehmens hingegen bei Architekten und Bauingenieuren brachten GNM und BBS+Dach zusammen: Kreative und nachhaltige Lösungen waren gefragt bei der Sanierung zweier Flachdächer.

Sowohl am Kleinen Kreuzgang als auch an der Mittelalterhalle musste der Dachaufbau komplett neu hergestellt werden. Die Arbeiten erstreckten sich jeweils über ein knappes Jahr. Inzwischen haben beide Konstruktionen eine erkleckliche Erprobungszeit überstanden. Vorbeugend wurde ein Wartungsvertrag vereinbart, demzufolge die Dachflächen jährlich begangen werden nach dem Winter.

Denkmalgeschütztes Ensemble

Hans Philipp Werner Freiherr von und zu Aufseß, der aus der gleichnamigen Gemeinde in der Fränkischen Schweiz stammte und von den Ideen der ausklingenden Romantik geprägt war, hat das GNM 1852 unter der Bezeichnung Germanisches Museum gegründet; er stellte seine privaten Sammlungen zur Verfügung. Als Stiftung des öffentlichen Rechts wird das GNM von der Bundesrepublik Deutschland (Bundesministerium für Bildung und Forschung), dem Freistaat Bayern (Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst) und den weiteren Bundesländern sowie der Stadt Nürnberg gefördert.

1853 wurde das Museum in Nürnberg im Tiergärtnertorturm eröffnet. 1857 konnte die Alte Kartause, die der bayerische König als bleibenden Sitz angeboten hatte, bezogen werden. Diese liegt im südlichen Bereich der Nürnberger Altstadt. Die gesamte bauliche Anlage steht unter Denkmalschutz. Insofern erforderten beide Aufträge besonderes Fingerspitzengefühl bei der Umsetzung.

Energetische Sanierung

Der Kleine Kreuzgang ist Teil des ehemaligen mittelalterlichen Kartäuserklosters. Die Mittelalterhalle diente zunächst als Volkskunsthalle, seit 1971 jedoch als Ausstellungsraum für mittelalterliche Malerei und Plastik. Es handelt sich um L-förmige, erdgeschossige Baukörper mit Flachdach. Beim einen beträgt die Grundfläche rund 765 Quadratmeter, beim anderen 750.

Hier ein Eindruck von der Sanierung der Mittelalterhalle:

Schadstoffe sollten beseitigt und beide Dächer energetisch saniert werden. Folglich wurde der Dachaufbau bis auf das Holztragwerk abgebrochen. Die hölzerne Unterkonstruktion musste verstärkt werden, um neue Tageslichtelemente einsetzen zu können. Die Dachschalung wurde aus 25 Millimeter dicken OSB-Platten hergestellt. Der Niveauausgleich – im Mittel 2,5 Zentimeter – gelang mit Schaumglasgranulat, das mit PU-Kleber gebunden wurde. (Produkt: Via Nevolit.)

Eine Bitumenbahn bildet eine Trenn- und Ausgleichsschicht beziehungsweise Dampfsperre. Diese ist auch als Behelfsdeckung geeignet.

Nicht brennbares Material

Gedämmt sind diese nicht belüfteten Flachdächer mit vorgefertigten PUR/PIR-Hartschaum-Gefälleplatten und einer Gefälledämmschicht aus Schaumglas. Das Material ist nicht brennbar. Es wurde vollflächig heiß geklebt und mit einem Deckaufstrich aus Heißbitumen beschichtet.

Für eine mehrlagige Dachabdichtung in höchster Qualität sorgen eine besandete Elastomerbitumenbahn und eine thermisch selbstklebende Polymerbitumenbahn (Vedastar Duo SO dolomitgrau). Die Wandabschlussbereiche wurden mit einem lösungsmittel- und geruchsfreien Flüssigkunststoff (Kemperol 2K-PUR) abgedichtet. Zudem wurden ein Linienentwässerungssystem, eine Notentwässerung und ein Absturzsicherungssystem eingebaut.

Als Attikablenden sowie Fensterbank- und Hohlraumabdeckungen wurden 0,8 Millimeter starke Kupferbleche passgenau eingeschnitten, gekantet und montiert. Die neuen, runden Tageslichtelemente (Lamilux-Flachdachfenster FE, OKD 1800 mm) sind mit einer Dreifachverglasung und einer opalen Acryl-Schale von zwei Millimetern dauerhaft durchsturzsicher. Alle sichtbaren Aluminiumteile sind beschichtet.

Und nun das fertige Dach des Kleinen Kreuzgangs:

Alle Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit dem technischen Leiter des GNM sowie dem Team des Nürnberger Architekturbüros Anton Graf, das mit Planverfassung sowie Objekt-/Bauüberwachung betraut war. Ansprechpartner bei der BBS+Dach GmbH: Prokurist Erich Eichelsdörfer.

Fotos: Perry Küfner